Die Festhaltetherapie nach Dr. Jirina Prekop ist sehr umstritten. Soweit ich weiß, kommt die Festhaltetherapie
aus der Familientherapie bzw. aus dem Arbeiten mit autistischen Kindern. Ist das richtig? Und was ist von der
Festhaltetherapie zu halten? Handelt es sich um ein seriöses und von
Fachleuten anerkanntes Verfahren?

Für Informationen dazu wäre ich Ihnen sehr dankbar

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Mit dem Thema Festhaltetherapie beschäftige ich mich seit einiger zeit, zwar noch ungenügend doch genug
um auf einige Fragen zu stoßen.
inwie weit ist welche Form der FT heute noch praktiziert? mir scheint diese Therapieform durch die mangelnde
theoretische Untermauerung und die umstrittene Wirkungsweise nicht als Therapieform geeignet!
Ebenfalls ist es mir ein Rätsel mit welcher Selbstverständlichkeit manche Autoren das Festhalten auch bei
nichtautistischen Kindern, die manchmal schwierig sind übertragen.
Mir scheint es, als solle das ruhige, angepasste Kind die Sorgen von der Mutter nehmen, daß sie an ihrem
Kind versagt hat.
Also, wenn Sie mir helfen können den Schritt zum "normalen" Kind zu verstehen, oder überhaupt erst das
Willenbrechen eines Kindes als wirksame und zukunftszugewandte Therapie wäre ich erfreut, von ihnen zu hören.

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Die Festhaltetherapie kenne auch ich nur aus einigen Publikationen. Bin aber ähnlicher Ansicht wie Sie bezüglich
der theoretischen Untermauerung und Eignung dieser Therapieform. Aus diesem Grunde glaube ich, dass sie
sicher selten praktiziert wird. Selbst bei Klaus Grawe, der zum breiten Spektrum der Psychochotherapien
Untersuchungen gesammelt hat, taucht die FT nicht auf, was für mich ein Zeichen dafür ist, dass sie als
therapeutische Methode keine Rolle spielt. Wenn diese trotzdem bei nichtautistischen Kindern angewandt
wird, stellt sich mir die Frage, was man damit erreichen möchte. Vielleicht dem Kind zeigen, welche Macht -
zumindest körperkraftmäßig - der Erwachsene über das Kind hat. Es ist für mich so, als ob man ein Kind einsperrt,
damit es sich genau so entwickelt, wie man es sich als Elternteil selbst wünscht, auch die Möglichkeit
einschließend, dass es verkrüppelt oder verkümmert, so wie ein Bonsaigewächs. Und Sie haben ganz Recht:
So angepasst kann doch jede Mutter oder Vater sein Kind mit Stolz vorweisen. Es ist einfach und nett
anzuschauen, aber ob es der Entwicklung des Kinder dient, ist eine andere Frage, da es dem Kind kaum
möglich sein wird eigene in ihm schlummernde Entwicklungspotenzen zu erwecken. Es hat ja nicht die
Möglichkeit zu experimentieren und auszuprobieren - zu schnell wird es "festgehalten" und "angebunden" -
sein Willen wird gebrochen: Das, was die Eltern für gut und richtig halten, ist auch für das Kind gut und
richtig. Wie einfach für das Kind: Es muss nicht nachdenken, prüfen, kontrollieren, selbst Verantwortung
übernehmen. Pech, wenn es später dann allein dasteht ... Was ist normal? Geht man von der Statistik aus,
ist es der Durchschnitt, die graue Masse. Das gibt Sicherheit - aus der Masse rausragen bedeutet Risiko -
aber auch zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten. Lässt man mal Normen und Regeln beiseite, die notwendig
sind, damit eine menschliche Gesellschaft funktionieren kann, wird der Normbegriff oft zu sehr in den Vordergrund
gerückt - mit dem Ziel der Anpassung. So wird es "zukunftszugewandte" Therapien geben, die Verhalten einüben,
welches der Anpassung dient. Oder aber Therapien, die dem Kind helfen, sich selbst zu verstehen - z.B. auch
den Sinn des Symptoms, das es möglicherweise ausgeprägt hat - sich selbst zu akzeptieren und damit neue Entwicklungspotenzen in sich zu entdecken, damit die ins Stocken geratene Entwicklung wieder voran schreiten
kann. Das ist manchmal nicht unbedingt bequem für die Erwachsenen... Um den eigenen Kinder diese Möglichkeit
zu geben, ist es wichtig, sich frei zu machen, davon, die Kinder als Eigentum zu betrachten und sie nach
eigenem Bild formen zu wollen. Dazu gehört jedoch auch, ihnen Halt zu geben durch sinnvolle Grenzsetzung,
nicht in dem man sie festhält. Ich hoffe, Ihnen ein wenig geholfen zu haben. A.S.

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sehr geehrte frau schwarz,

was sie schreiben kann ich gut nachvollziehen, doch trifft es auf die festhalte-therapie meiner meinung
nach nicht zu. das kind festzuhalten hat nichts damit zu tun, seinen willen zu brechen, sondern damit,
ihm eine liebevolle umarmung zu bieten zu einem zeitpunkt, in dem es nicht lieb und angepasst ist - nach
dem motto "liebe mich am meisten, wenn ich es scheinbar am wenigsten verdiene, denn dann habe ich es
am nötigsten". für das kind ist es überraschend, wenn es mal nicht aufs zimmer geschickt wird, sobald es
einen wutanfall bekommt oder andere strafen empfängt, die sehr oft mit liebesverlust arbeiten und dadurch
den willen ebenfalls brechen, oder zumindest in die von den eltern gewünschte richtung verbiegen.
es wäre angebracht, sich nicht von ein paar oberflächlichen publikationen zu einer meinung manipulieren
zu lassen, sondern sich mit den urtexten auseinanderzusetzen, bevor ein vorschnelles urteil gefällt wird.
mit freundlichen grüßen i. l.

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Sehr geehrte Damen, ich bin foh, beide vertretenden Meinungen einmal zur Kenntnis zu nehmen. Ich spiele
mit dem Gedanken,die Festhalte-Therapie mit meiner Tochter auszuprobieren, sie ist zwar kein Autist, doch
mir wurde geraten die Therapie aufgrund ihrer starken Wutausbrüche , anzuwenden.Ich werde berichten
wie es verläuft, aber es war mir wichtig mich generell darüber zu informieren. Mit Ihren angebrachten
Thesen haben Sie mir ein Stück weitergeholfen. Vielen Dank, J. G..

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Meine persönlichen Erfahrungen mit dem Festhalten meiner beiden Kinder waren positiv.
Ich konnte damit die Beziehung zu meinen Kindern, die früher distanziert war, entscheidend verbessern.
Es geht dabei nicht um das Brechen des Willens des Kindes oder um Machtdemonstration, sondern um das
Gefühl tiefster Geborgenheit und Angenommenseins. Die Liebe zu meinen Kindern, die verschüttet war
konnte wieder neu fließen.

Gruß
L. M.

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Sehr geehrte Frau E.,
die Festhaltetherapie gehört insofern nicht zu den anerkannten Verfahren,dass die Therapiekosten durch
die Krankenkassen in Deutschland nicht übernommen werden, sie also den dort geforderten Kriterien nicht
entspricht.
Soweit ich weiß, ist sie in der Fachwelt auch wirklich sehr umstritten. Da diese Therapieform bei mir
persönlich auf eine gefühlsmäßige Ablehnung stößt, habe ich mich noch nicht besonders tiefgehend
damit beschäftigt.
Sicher ist es ein familienorientiertes Verfahren, da es ja darum geht, dass das (autistische) Kind von einem
Elternteil festgehalten wird und das über Stunden - eine Tortur für Eltern und Kind, mit für mich fraglichem
Erfolg. Gehen wir von autistischen Kindern aus, müssen wir als ursächliche Bedingungen neben hirnorganischen
auch psychodynamische und Umwelteinflüsse annehmen. So ist es möglich, dass der Säugling sich auf Grund
von Problemen bei der frühen Mutter-Kind-Abstimmung zurückzieht, resigniert, weil niemand auf seine
Aktionen reagiert oder die Umwelt zu eindringlich ist. So könnte
eine Festhaltetherapie auf Grund unterschiedlicher Erkrankungsursachen sehr unterschiedlich, möglicherweise
schädlich wirken. Da, wo die Eltern dem Kind ursprünglich zu wenig Halt gaben, kann das Kind eine entsprechende
Therapie als positiv grenzsetzend und haltend erleben. War die Umwelt allerdings zu eindringlich, würde eine
Festhaltetherapie die Situation verschärfen, was einen stärkeren Rückzug in die innere Welt auslösen könnte.
Für mich bedeutet eine derartige Therapie so oder so eine Vergewaltigung des Kindes.
Gerade für autistische Kinder gibt es andere Therapieformen, die die Würde auch dieser Menschenkinder
beachten, die versuchen, in den Symptomen, die die Kinder ausbilden, einen Sinn zu sehen. So schreibt
Bruno Bettelheim, der lange Zeit mit entsprechenden Kindern therapeutisch gearbeitet hat: Der Königsweg
zum Verständnis seelischer Krankheiten führt immer noch über die eigenen freiwilligen Enthüllungen des
Patienten, darüber, was die verborgenen Bedeutungen seines sichtbaren Verhaltens und dessen Ursachen sind.
Zu beweisen, dass selbst autistische Kinder zu der Anstrengung fähig sind, ihre Gründe und Wünsche
aufzudecken, sei eines der Ziele seines Buches: Die Geburt des Selbst (siehe "Buchtips" auf meiner
Homepage ) gewesen.
In jeder Therapie des Autismus sollte es um die eigenen Entdeckungen des Kindes über die Gründe gehen,
die es in der autistischen Festung Zuflucht suchen ließ.
Auch für mich gilt, dass der Patient nie willenlos gezwungenes Objekt, sondern in jedem Falle Subjekt seiner
Therapie sein sollte.

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Guten Tag,

ich habe dieses Forum hier über eine Suchmaschine entdeckt. Ich bin mit meiner Tocher (5) in einer
Ergo-Therapie wegen Konzentrationsstörungen und Hyperaktivität. Während des ersten Aufnahmegeprächs
wurden mir so allerlei Fragen zu Familie, Gesundheit, Verhalten des Kindes gestellt. In diesem Gespräch
erzählte ich der Therapeutin, dass meine Tochter ein Problem mit "Fremden" hat. Ich meine damit, dass
sie keinerlei Ängste vor Fremden hat und für ein Stück Schokolade sicherlich mitgehn würde. Wegen dieser
Sache unterhalte ich mich mit meiner Tochter oft, auch haben wir ihr altersgerechte Bücher besorgt, die
wir ihr zeigen , erklären und anschliessend drüber reden.
Jetzt bei dem 2. Therapietermin schlug mir die Therapeutin zur Behandlung für diese Verhaltensweise meiner
Tochter eine Festhaltetherapie vor. Sie erklärte mir in 3 kurzen Sätzen wie dies vonstatten ginge und gab
mir eine Woche Bedenkzeit um dies zu bedenken und mit meinem Mann zu besprechen. Nun habe ich mich im
Internet mal umgeschaut und ich staunte nicht schlecht. Vom miesen Bauchgefühl, welches ich schon bei
dem Vorschlag der Therapeutin hatte, wurde ich hier bestätigt. Ich denke dass ein solch rabiates Brechen
des Willen des Kindes eine nicht tolerierbare Handlung ist. Abgesehen davon, dass ich recht "lässig" informiert
wurde finde ich das Verhalten der Therapeutin absolut unkorrekt denn, letztendlich beschäftigt sich diese
Behandlungsform mit einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung. Ich denke, dass man in einer Therapiesitzung
offen reden sollte. Hier hatte ich den Eindruck, dass dies verschönt werden sollte.
Ich möchte nun wissen, wie Sie darüber denken und weiterhin interessiert es mich brennend, wie ich meiner
Tochter beibringen kann, dass sie nicht mit Fremden sprechen soll geschweige denn mitgehen soll.

mit freundlichen Grüssen b.l.

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Guten Tag,

ich habe dieses Forum hier über eine Suchmaschine entdeckt. Ich bin mit meiner Tocher (5) in einer Ergo-Therapie
wegen Konzentrationsstörungen und Hyperaktivität. Während des ersten Aufnahmegeprächs wurden mir so
allerlei Fragen zu Familie, Gesundheit, Verhalten des Kindes gestellt. In diesem Gespräch erzählte ich der
Therapeutin, dass meine Tochter ein Problem mit "Fremden" hat. Ich meine damit, dass sie keinerlei Ängste vor
Fremden hat und für ein Stück Schokolade sicherlich mitgehn würde. Wegen dieser Sache unterhalte ich mich
mit meiner Tochter oft, auch haben wir ihr altersgerechte Bücher besorgt, die wir ihr zeigen , erklären und
anschliessend drüber reden.
Jetzt bei dem 2. Therapietermin schlug mir die Therapeutin zur Behandlung für diese Verhaltensweise meiner
Tochter eine Festhaltetherapie vor. Sie erklärte mir in 3 kurzen Sätzen wie dies vonstatten ginge und gab
mir eine Woche Bedenkzeit um dies zu bedenken und mit meinem Mann zu besprechen. Nun habe ich mich im
Internet mal umgeschaut und ich staunte nicht schlecht. Vom miesen Bauchgefühl, welches ich schon bei
dem Vorschlag der Therapeutin hatte, wurde ich hier bestätigt. Ich denke dass ein solch rabiates Brechen
des Willen des Kindes eine nicht tolerierbare Handlung ist. Abgesehen davon, dass ich recht "lässig" informiert
wurde finde ich das Verhalten der Therapeutin absolut unkorrekt denn, letztendlich beschäftigt sich diese
Behandlungsform mit einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung. Ich denke, dass man in einer Therapiesitzung
offen reden sollte. Hier hatte ich den Eindruck, dass dies verschönt werden sollte.
Ich möchte nun wissen, wie Sie darüber denken und weiterhin interessiert es mich brennend, wie ich meiner
Tochter beibringen kann, dass sie nicht mit Fremden sprechen soll geschweige denn mitgehen soll.

mit freundlichen Grüssen b.l.

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Sehr geehrte Frau L.R.

Auch ich habe dieses Forum soeben über eine Suchmaschine entdeckt, da ich über die Problemlösung für
einen inzwischen erwachsenen Menschen nachdenke.

Zu Ihrem Beitrag möchte ich Ihnen - auch noch nach fast zwei Jahren - folgendes sagen:

Seien Sie mir nicht böse, aber ich bin ENTSETZT über Ihre Einstellung. Allein schon, dass Sie sagen:
"Sie hat ein Problem mit Fremden." Ich dachte dabei, sie läuft dann schreiend weg oder versteckt sich
oder kann keinen normalen Kontakt zu ihnen aufnehmen.

Aber nein: Sie sehen es als ein PSYCHISCHES Problem Ihrer Tochter an, dass sie gern mit Fremden Kontakt
aufnimmt und ihnen vertraut!!

Mein Gott! Das ist aus meiner Sicht ein Zeichen geistiger Gesundheit! Und ausgerechnet das wollen Sie
therapieren lassen???

Wollen Sie schon einem fünfjährigen Kind das Vertrauen in die Menschheit nehmen?? Und das noch womöglich
mit Gewaltanwendung? (Wobei ich der echten Festhaltetherapie in ihrer richtigen und warmherzigen,
KONSTRUKTIVEN Anwendung durchaus zugetan bin). Aber Sie wollen ihr Kind mit Gewaltanwendung dazu
bringen, dass es sein VERTRAUEN in die Welt VERLIERT??

Und keiner der mitlesenden Fachleute sagt etwas dagegen???
Was ist eigentlich in unserer Welt los?

Wenn Sie nicht wollen, dass Ihr fünfjähriges Kind in Gefahr kommt, dann müssen Sie selbst durch
ORGANISATORISCHE Maßnahmen dafür sorgen, dass das nicht passiert - nicht durch Verdrehen, Einzwängen,
Verkrüppeln der Seele Ihres Kindes!

Natürlich wäre es für Sie einfacher, wenn das Kind wie ein kleiner Automat "von sich aus" nicht mehr mit
Fremden mitgehen würde. Wie schön für Sie! Aber wie katastrophal für die seelische Entwicklung Ihres Kindes!

Und ich möchte Ihnen noch etwas sagen: Ich selbst habe mir als Kind und Jugendliche nichts sehnlicher
gewünscht, jemandes Fremder möge mich mitnehmen und adoptieren. Ja! So schlecht ging es mir emotional
bei meinen eigenen Eltern. So wenig fühlte ich mich geliebt, gesehen, akzeptiert, so gestraft und abgelehnt
fühlte ich mich. Und dabei war ich ein absolut braves, angepasstes und intelligentes Kind, das seinen Eltern
nur "Freude" machte - sprich, auf das sie stolz sein konnten und es auch waren. Nur LIEBEN konnten sie es
offenbar nicht.

Sie sollten sich eher Gedanken in diese Richtung machen: Ob das, was Sie für das Kind empfinden,
tatsächlich Liebe ist - oder ob Sie vielleicht noch nicht entdeckt haben, was Liebe zu einem Kind oder einem
Wesen überhaupt eigentlich ist.
Auch Sie werden Ihre eigene Geschichte haben, und vielleicht haben auch Sie da etwas aufzuholen.

Ich hoffe, Sie können diese Antwort für sich und Ihre Tochter nutzen.

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Sehr geehrte Frau L.R.,
aus meiner Sicht liegen Sie mit Ihrem Gefühl richtig. Eine Ergotherapie ist eine sinnvolle Möglichkeit, die
Entwicklung verschiedener Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern. Dass unter diesem Namen die
Festhaltetherapie praktiziert wird, finde ich ungewöhnlich. Entsprechend meiner Ansicht, die ich weiter
unten schon geäußert habe, würde ich abraten. Bezüglich des Verhaltens Ihrer Tochter Fremden gegenüber
ist es schwierig, eine Ferndiagnose zu stellen, da es verschiedene Ursachen hierfür geben kann. Sehr deutlich
wird hierbei, welche Bedeutung Angst hat. Ein von vielen gewünschtes Leben ohne Angst ist illusionär und
eigentlich gefährlich, da Angst die lebenswichtige Funktion hat, uns vor Gefahren zu warnen. Es kommt nur
auf das richtige Maß an: Zu viel Angst kann lähmen. Ein gesundes Maß an Angst aktiviert uns jedoch, weckt
die Sinne, die Situation genauer wahrzunehmen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. So sind Annahme
und Umgang mit der Angst wichtige Entwicklungsschritte, die ein Kind reifen lassen, unabhängig von äußeren
steuernden “Elternfiguren” handeln zu können. Deshalb würde ich Ihnen empfehlen, sich psychologisch beraten
zu lassen, sollten die üblichen erzieherischen Bemühungen, auf Ihre Tochter einzuwirken, keine Veränderungen
bringen.
Viele Grüße Antje Schwarz

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Ich habe die Beiträge zur Festhaltetherapie gelesen. Dabei wird ja sehr negativ geschrieben. Ich habe meinen
hyperaktiven Sohn in Tobsuchtsanfällen mit Zerstörungswut festgehalten und er war mir sehr dankbar für
diesen Halt. Leider hat diese Auflösung nach dem Festhalten nicht lange angehalten. Im Grunde finde ich an
einem Festhalten zwischen Eltern und Kind, wenn es in Liebe geschieht, nichts schlechtes. Im Gegenteil!
Ein Festhalten war leichter, als die jetzige Situation, wo ich ihn eigentlich gar nicht richtig in den Arm nehmen
kann.
Wer hat positive Erfahrungen mit dem Festhalten gemacht? Wer kann mir weiterhelfen?
B.

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Es ist sicher ein Unterschied, wenn man in bestimmten Situationen sein Kind festhält - ihm so Halt und Nähe gibt
- und einer Festhaltetherapie. Dieses situationsabhängige Festhalten, das auch eine gewisse Begrenzung für
das Kind bedeutet, die in bestimmten Fällen wichtig sein kann, sollte jedoch nicht das Einzige sein. Es sollte
insgesamt eine Atmosphäre von Nähe und Zuwendung, aber auch Grenzen geschaffen werden, in der ein Kind
Geborgenheit und Halt findet. Das Verhalten des Kindes sollte als Signal verstanden werden, dafür, dass es
sich in einer Krise befindet, einem Konflikt, der im Moment nicht ohne äußere Hilfe lösbar ist. Das einfühlsame,
intuitive Verstehen der Eltern und entsprechende Reaktionen können dem Kind hier helfen, manchmal ist es
auch sinnvoll, auf Únterstützung von außen zurückzugreifen. Hilfreiches hierfür können Sie auch in verschiedenen
Büchern meiner Literaturempfehlungsliste finden z.B.: Ingrid Romberg-Asboth (1999): Wenn die Kinderseele
weint. A.S.

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Hallo, ich leite und arbeite in einer teilstationären Einrichtung, die delinquente Kinder (Schulverweigerer) zur
Zielgruppe hat. Die festhaltetherapeutische Arbeit ist eine wesentliche säule unserer pädagogisch-therapeutischen
Arbeit - mit großem Erfolg in den Bereichen Beziehungsaufbau, Schaffung von Klarheit und Vermeidung von
Selbstverlust bei diesen Kindern.

B. R.

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Vor zehn Jahren habe ich als Zwölfjährige eine Festhaltetherapie erlebt. Jahre später wurde bei mir
diesbezüglich eine posttraumatische Belastungsstörung festgestellt. Ich behaupte, daß die Festhaltetherapie,
vor allem unter unklaren Bedingungen (Aufklärung der Eltern, des Kindes, der Ziele, der Art des Haltens,
Grenzen bei körperlichen Schmerzen), einen Gewaltakt und Mißbrauch am Kind darstellt (en kann). Seit damals
kann ich kaum mehr Körperkontakt ertragen.
Durch Zufall konnte ich Fr. Prekop einmal persönlich kennenlernen. In einem kurzen Gespräch sagte sie mir, ihr
seien keine negativen Folgen bekannt. Ich berichtete ihr von meinen Erfahrungen (woraufhin sie mir "Bonding"
empfahl, was ich selbstverständlich nicht verfolgte); sie meinte, die Therapie wurde falsch durchgeführt.
Ich suche nach Betroffenen (Kinder und Eltern), die ähnliche Erfahrungen gesammelt haben und würde gerne
wissen, wie sie diese verwunden haben.

pfeil

Copyright Antje Schwarz